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Netzwerktreffen

Rückblick: Digitales Netzwerktreffen “Werkstätten und ihre Projekte – sowie weitere Initiativen für eine inklusive Arbeitswelt"

 

 

Am Donnerstag, den 18. November 2021, fand unser digitales Netzwerktreffen “Werkstätten und ihre Projekte – sowie weitere Initiativen für eine inklusive Arbeitswelt” statt.

 

Zum Abschluss unseres Themenmonats “Inklusive Arbeitswelten” haben wir uns beim digitalen Netzwerktreffen mit dem Modell der Werkstätten als Ort inklusiver Arbeit für Menschen mit Behinderungen befasst. Wir haben uns die Frage gestellt, ob Werkstätten ein inklusives und zukunftsweisendes Konzept sind oder ein Abstellgleis auf dem behinderte Menschen für wenig Geld und Anerkennung vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden?
Um dieser spannenden Frage nachzugehen haben wir Vertreter und Kritiker von Werkstätten zusammengeführt und versucht die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Aber auch alternative Initiativen und Projekte haben uns gezeigt, wie die Inklusion behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt möglich sein kann.


Durch inklusive Ausbildung Fachkräfte sichern

 

Eingeleitet wurde der Themenkomplex durch den Vortrag von Simone Hindenburg von der Personalkanzlei Hindenburg.
Frau Hindenburg versucht durch gezielte Beratungen und Coachings in der “Personalkanzlei Hindenburg” die vielfältigen Potentiale behinderter Menschen zu ermitteln und diese zielführend mit potentiellen Arbeitgebern zusammenzubringen um diese jungen Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Auf der von Frau Hindenburg organisierten “Ausbildungsmesse der Vielfalt” haben behinderte Jugendliche die Möglichkeit im direkten Gespräch mit Vertretern verschiedener Unternehmen diese Potentiale zu vermitteln und bekommen somit eine faire Chance zum Beginn eines inklusiven Arbeitslebens.


Qualifizierung als Bildungs- und Inklusionsreferent:in

 

Im Anschluss haben sich Julia Matusche und Steffen Martick vom Projekt “QuaBIS” kritisch mit dem Modell der WfbM auseinandergesetzt.
Im Projekt QuaBIS werden behinderte Menschen an den Universitäten zu Bildungsberatern ausgebildet um Studierende, Unternehmen und Institutionen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren. Das Projekt möchte als eine Alternative zu den Werkstätten die beeinträchtigten Menschen in den Arbeitsprozess der Universitäten integrieren und den (Selbst-)Wert der Betroffenen für sich und die Gesellschaft stärken.
Das Team des QuaBIS setzt sich dabei kritisch mit dem Modell der Werkstätten auseinander.
An Kritikpunkten wie dem geringen Gehalt, der geringen Anerkennung oder dem nur “arbeitnehmerähnlichen Status” der Mitarbeiter:innen in den Werkstätten orientiert sich das Projekt QuaBIS und möchte seine Mitarbeiter:innen durch angemessene und faire Arbeitsbedingungen als gleichwertige Arbeitnehmer:innen inklusiv in den Arbeitsprozess der Universitäten integrieren.


Werkstätten für behinderte Menschen – Bremser oder Teil einer inklusiven Arbeitswelt?

 

Im Gegensatz dazu stellte Herr Moritz Glaser vom “WfbM Luby Service” in seinem Beitrag die positive Integrationswirkung von Werkstätten für behinderte Menschen und deren Außenarbeitsplätzen vor.
Gemeinsam mit dem Kulturkraftwerk Mitte in Dresden werden beeinträchtigte Menschen im Kulturbereich beschäftigt. Dabei führen sie wertvolle Arbeiten (z.B. An der Garderobe oder der Getränkeausgabe bei kulturellen Veranstaltungen) aus und können damit inklusiv in der Mitte der Gesellschaft arbeiten.


PRAXISBAUSTEIN für die berufliche Bildung für Menschen mit Behinderung

 

Als eine weiteres Konzept der WfbM hat uns Frau Beate Seichter von der DIAkademie Moritzburg das Projekt “PRAXISBAUSTEIN” vorgestellt.
Dieses ausgezeichnete und innovative Projekt erlaubt es beeinträchtigten Menschen zertifizierte und standardisierte Praxisqualifikationen in verschiedenen Berufsfeldern zu erwerben um somit den Schritt in den allgemeinen Ausbildungs-/ Arbeitsmarkt zu erleichtern.
Praxisbausteine sind “Lerninhalte für ausgewählte und überschaubare Tätigkeiten an konkreten Arbeitsplätzen, welche in Theorie und Praxis erlernt werden.”
Die Praxisbausteine haben ein standardisiertes Zulassungsverfahren und können mit einem Zertifikat der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer oder des Landesinstitutes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie abgeschlossen werden.
Dieses Projekt zeigt die Innovationskraft von WfbMs und gibt eine zukunftsweisende Perspektive für die Verbindung von Werkstätten und dem allgemeinen Ausbildungs-/ Arbeitsmarkt.


MDR Selbstbestimmt – Das Magazin “Pro und Contra Werkstätten für Menschen mit Behinderung”

 

Eine schöne Zusammenfassung zum umstrittenen Thema der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen lieferte uns das Magazin “Selbstbestimmt” des MDR in ihrer Sendung vom 10.10.2021.
„In Werkstätten für Menschen mit Behinderungen wird beispielsweise wunderschönes Holzspielzeug hergestellt, aber es werden auch Schrauben sortiert und Schläuche auf Maß geschnitten. Die meisten, die dort beschäftigt sind, haben keine Ausbildung. Und vor allem: keine Chance, jemals einem richtigen Job nachzugehen. Denn Arbeit in der Werkstatt gehört zur Rehabilitation. Es gibt also keinen Lohn, sondern ein kleines Arbeitsentgelt. Das System der Werkstätten für behinderte Menschen ist unglaublich komplex und schwer zu verstehen. Und es muss sich ändern. Darum geht es in dieser Ausgabe des MDR Selbstbestimmt-Magazins. Moderator Martin Fromme ist in Berlin unterwegs und trifft Menschen, die bereits die Zukunft der Werkstätten angehen und er trifft Kritiker und Befürworter des derzeitigen Systems.“ - MDR Selbstbestimmt

Die Sendung des Magazins „Selbstbestimmt“ finden Sie in der ARD-Mediathek unter:

https://www.ardmediathek.de/video/selbstbestimmt/selbstbestimmt-das-magazin/mdr-fernsehen/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy8xNzE5M2FmNy01NTA3LTQzOTItODY5Mi1jODYyMjlkZDQyYmM/


Podiumsdiskussion

Die abschließende Podiumsdiskussion hat den Referent:innen die Chance gegeben, dieses komplexe Themenfeld der WfbM aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren und offene Fragen der Teilnehmer:innen zu beantworten.
Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Frau Heike Delling vom Projekt InnoLAWI der Hochschule Mittweida.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die WfbM als Alternative zum 1. Arbeitsmarkt weiterhin bestehen bleiben. Projekte wie “QuaBIS”, der “WfbM Luby Service” oder “Praxisbaustein” zeigen jedoch die Innovations- und Integrationsmöglichkeit von Werkstätten und können, trotz aller Kritik, bei der Inklusion von behinderten Menschen und beim Schritt in den 1. Arbeitsmarkt helfen.



Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Teilnehmenden, den Referent:innen, den "Scouts" Gebärdendolmetscher:innen und dem technischen Support durch "Ipunkt" für die tolle Veranstaltung bedanken!


Die Präsentationen und Videos werden wir nach Absprache mit den Referent:innen unseren Netzwerkpartner:innen zur Verfügung stellen. Wir bitten um etwas Geduld!


Ihr Team des Inklusionsnetzwerkes Sachsen

Katja Rößner

 

Ansprechpartnerin


Katja Rößner
Inklusionsnetzwerk Sachsen
roessner@inklusionsnetzwerk-sachsen.de