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Deutsche Gebärdensprache in der Schule - Chancen und Herausforderungen in der Diskussion

Fachtagung in Dresden

Unter dem Titel "Bildung bilingual erleben – Deutsche Gebärdensprache in der Schule – Chancen und Herausforderungen" lud das Sächsische Staatsministerium für Kultus zur Fachtagung am 25. November 2019 nach Dresden ein. Geladen waren Vertreter*innen aus Schule, schulischem Umfeld, Verbände und Initiativen. Anliegen war die Information und Sensibilisierung der Teilnehmenden zum Thema bimodale-bilinguale Bildung in Deutscher Gebärdensprache.

Das Grußwort der Tagung hielt Stepfhan Pöhler, Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Er verdeutlichte, dass der in Sachsen begonnene Weg zur Veränderung der Bildung gehörloser Kinder, gerade im Hinblick auf die Intentionen der UN-Behindertenrechtskonvention, konsequent weiter beschritten werden muss.

"In den vergangenen Monaten sind vielfältige Anstrengungen und Maßnahmen eingeleitet worden, um im Rahmen der objektiv zur Verfügung stehenden Möglichkeiten bessere Voraussetzungen für die Unterrichtung der gehörlosen bzw. hochgradig schwerhörigen Kinder zu schaffen. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass wir unsere Anstrengungen intensivieren müssen. Für alle gegenwärtig an den Förderzentren lernenden Kinder brauchen wir eine schnelle Lösung", sagte Stephan Pöhler.

Prof. Dr. Barbara Hänel-Faulhaber von der Universität Hamburg setzte sich in ihrem anschließenden Fachvortrag mit den neurowissenschaftlichen Grundlagen zu Erwerb und Verarbeitung von Gebärdensprache auseinander. Sie erklärte u. a.,  dass beim Anwenden der Gebärdensprache die gleichen Gehirnareale aktiviert sind, wie bei der Lautsprache. Zudem sei der Mensch zur Mehrsprachigkeit veranlagt.

Im nachfolgenden Fachvortrag von Prof. Dr. Claudia Becker von der Humboldt-Universität Berlin wurden die Möglichkeiten und aktuellen Entwicklungen der bilingualen Bildung mit Laut- und Gebärdensprache vorgestellt. Die Wissenschaftlerin berichtete u. a., dass sich die Einstellung zur bilingualen Bildung geändert habe, in den 80ziger Jahren bestand Skepsis. In vielen Bundesländern werde derzeit in Arbeitsgruppen an einem Lehrplan für das Unterrichtsfach Gebärdensprache gearbeitet. Es brauche zudem die rechtlichen Grundlagen und qualifierziertes Personal, an beidem fehle es nach wie vor. Prof. Becker empfiehlt den Einsatz sowohl von Lehrer*innen mit Hörbehinderung und ohne als auch den Einsatz von professionellen Gebärdensprachdolmetscher*innen.. 

Vertreter der Lindenparkschule in Heilbronn und der Ernst-Adolf-Eschke-Schule in Berlin berichteten über ihre langjährigen Erfahrungen mit dem bilingualen Unterrichten und dem Einsatz von Gebärdensprache im Schulleben. Beide konnten die Teilnehmenden in den Alltag der Schulen mitnehmen, u. a. anhand von kurzen Videoeinspielungen und dem Erfahrungsberichten eines gehörlosen Lehrers.
Pädagoginnen der Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt Hören in Dresden, Leipzig und Chemnitz berichteten am Nachmittag über ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von Gebärdensprachdolmetscher*innen im Unterricht. Mometan arbeiten die Förderschulen an einem gemeinsamen Konzept für den Aufbau von bilingualem Unterricht, dabei werden sie u. a. von der Westsächsischen Hochschule in Zwickau unterstützt.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden die bestehenden Möglichkeiten und Probleme einer bilingualen Bildung sachlich intensiv angesprochen. Unter anderem wurde dabei deutlich, dass es ganz klar an ausgebildeten Lehrkräften mit Gebärdensprachkompetenz fehlt.

"Die grundständige Ausbildung von Pädagogen für Kinder mit Hörbehinderungen und der entsprechenden Gebärdensprachkompetenz muss auch in Sachsen zukünftig möglich werden. Daneben ist ein Weiterbildungs- und Zertifikatskurs für pädagogisches Personal in Deutscher Gebärdensprache zu etablieren. Dazu hat die Westsächsische Hochschule Zwickau ein Konzept auf der Basis der Erfahrungen der Universität Köln und in Kooperation mit der Universität Köln als berufsbegleitenden Masterstudiengang für die Arbeit im bimodal-bilingualen Kontext entwickelt", betonte Stephan Pöhler am Ende der Fachtagung.

Tagung in Dresden