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Raúl Krauthausen zu Gast in der VHS Chemnitz

Bericht zum Vortrag "Leidenschaft statt Mitleid"

Anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums richtet die Volkshochschule (VHS) Chemnitz eine Veranstaltungsreihe aus, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Frage widmet: „In welcher Gesellschaft wollen wir leben“? Nach dem Auftakt mit Peter Sloterdijk besuchte am 6. Mai 2019 der Aktivist für Barrierefreiheit Raúl Krauthausen die VHS und sprach über seine Arbeit und sozialen Projekte.

Die Leiterin der Volkshochschule Grit Bochmann eröffnete die Veranstaltung mit einer Erinnerung an den Leitgedanken der Bildungseinrichtung, nämlich gleiche Chancen für alle zu schaffen. Dies setzt die VHS auch mithilfe ihrer inklusiven Bildungsangebote um, die seit 2016 bestehen und positiv aufgenommen werden.

In seinem Vortrag „Leidenschaft statt Mitleid“ berichtete Raúl Krauthausen von seinem eigenen Weg in den Aktivismus vor über 10 Jahren. Dazu war er weniger durch seine eigene Behinderung motiviert, als vielmehr durch den Wunsch, aktiv zu werden und sich einzubringen. So folgte er seinem Motto „einfach mal machen“ und gründete kurzerhand mit einem Freund den Verein „Sozialhelden e. V.“

Über seinen Werdegang als Aktivist berichtete Krauthausen mitreißend und inspirierte dazu, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Wenn Fehltritte als natürliche Bestandteile eines Lern- und Arbeitsprozesses begriffen werden, können Menschen ihre Arbeit oder ihr Engagement mit Leidenschaft betreiben und bessere Produkte kreieren, die sich an den Bedürfnissen der Nutzer*innen orientieren. Auch bei der Projektarbeit lassen sich Raúl Krauthausen und seine Kolleg*innen von dieser Philosophie leiten und erarbeiten Materialien und Produkte, die der Inklusion und Barrierefreiheit dienen. So entstand unter anderem die „Wheelmap“, eine digitale Karte rollstuhlgerechter Orte, die von Nutzer und Nutzerinnen selbst ausgebaut wird. Die Webseite „Leidmedien“, die Krauthausen und sein Team 2012 ins Leben riefen, gibt Journalist*innen Informationen und Formulierungsempfehlungen zum klischeefreien Schreiben über Inklusion und Behinderung. Und da vorhandene Stockfotografien zum Thema Inklusion oft negative Assoziationen transportieren und Menschen mit Behinderung passiv abbilden, haben die Sozialhelden die alternative Fotodatenbank „Gesellschaftsbilder“ geschaffen.

Nicht zuletzt inspirierte Raúl Krauthausen sein Publikum dazu, Behinderung unter anderem auch als Lifestyle aufzufassen: In diesem Sinne bedeute Behinderung bloß, anders zu leben und sich beispielsweise den Rollstuhl so zu gestalten, dass er zu den eigenen Wünschen und Bedürfnissen passt.

Links zu den Seiten der VHS Chemnitz und des Sozialhelden e. V.

Raúl Krauthausen in Chemnitz Urheber: VHS Chemnitz